QE929 .H4 Heer, Oswald Zur miocenen flora von Sachalin KONGL. SVENSKA VETENSKAPS-AKADEMIENS HANDLINGAR. Bandet 15. N;ü 4. BEITllAGE ZUR :\rTOCENEN FT.OllA VON SACHALIN Dr. OSWALD hp:1':r. Mrr 4 '^i'AFKi.N, AN UIE KÜNIGl,. SCIIWEl). AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN EINGEKEICIIT D. 12. UECEMBER 1 8 1 STOCKHOLM, 1S7S. P. A. N O R S T E D T & 8 Ö N' E U. K()N(»I,. ROKTHVCKAItK. xJ'iti iniocene Flora von Alaska, welclu; uns durch die Sainndung des Herrn Berg- meister Hjalm. Fukuhjelm bekannt worden war, inachte es in holiein Grade wünschbar zu erfahren wie die Flora auf der asiatischen Seite des Bering- und Ochotskischen Meeres zur .Miocenzeit ausgesehen habe. Es wandte sich daher Herr Prof. Norden- skiOlü vor mehreren Jahren an den Herrn Admiral Fukuhjklm, damals Gouverneur des Amurlandes, um durch seine Vermittelung eine Sammlung von fossilen Pflanzen von der Insel Sachalin zu erhalten. Es waren dort beim Posten Dui und bei Mgratscli schon im Jahre 1860 fossile Pflanzen von dem Herrn Akademiker Fr. Schmidt und Herrn Paul Glehn entdeckt und gesammelt worden. Prof. Nordenskiöld erhielt von Herrn Furuimelm eine ziemlich ansehnliche Sammlung, bei welcher aber der Fundort nicht näher angegeben war. Das Gestein, in welchem die Pflanzen liegen, stimmt mit dem von Mgratsch überein, es findet sich aber auch bei Dui und die Pflanzen kommen sehr wahrscheinlich von dieser Stelle. Diese liegt einige Minuten südlich, Mgratsch einige Minuten nördlich vom 51° n." Br. an der Westseite der Insel. Beide Stellen sind also nahe beisammen. Die mir zur Untersuchung zugekommenen Pflanzen liegen in einem eisenhaltigen, öfter sandigen Thon von brauner Farbe, der demjenigen von Ober-Ata- nekerdluk ähnlich sieht. Sie lassen 19 Arten erkennen, von denen 18 Arten aus anderen miocenen Lokalitäten bekannt sind, daher diese Ablanreruno- zur miocenen Zeit sich gebildet haben muss. 15 dieser Arten sehen wir unter den miocenen Pflanzen von Alaska, nämlich: Taxodium distichum miocenura, Populus latior, P. glandulifera? Salix Lavateri, Alnus Kefersteinii, Betula prisca, Carpinus grandis, Corylus Mac Quarrii, Fagus Anti- pofi, Castanea Ungeri, Ulinus plurinervia, Planera Ungeri, Celastrus borealis, Juglans acuminata und J. nigella. Wir haben diese Pflanzen schon früher kurz besprochen'), hier aber soll eine nähere Beschreibung derselben gegeben werden. ') cf. ()m iiil^ra fossila viixtcr IVun öii Sachalin. Öfversigt af Kongl. Vct.-Akad. Förliandliiigar. 1874. No. 10. Ferner: Mioceiie Flora der arktiselieii Zone im III. Bande iler Flora l'ossilis arctica. S. 10. Die Co- rylus insignis und Ulmu3 longifolia, welehe liier unter den Saclialin-rilanzen erwähnt sind, müssen wegfallen. (). IIEEK, BEITHÄGE ZUK MlUCENEN FLOHA VON SACHALIN. BESCHREIBUNG DER ARTEN. 1. Taxodiiiiu (listicliiini Ricii. mioceiium. Es liegen in der Samlung mehrere, doch nicht sonderlich gnt erhaltene Zweig- stückc. Sie stimmen in der Form und Stellung der Blätter ganz mit den Zweigen von Alaska überein, welche ich in der Flora alaskana auf Tat'. I. Fisf. 6. abgebildet habe. 2. Populus latior A. Br. Taf. I. Fig. 1. 2. Heek Flora tert. Helv. II. p. 11. Flora fo.ss. Alaskana p. 25. Taf. II. Fig. 4. in den Konol. Sv. Vet. Akademiens Handlino;ar Bd. 8. No. 4. Es liegen zwei grosse Blätter auf demselben Stein. Die seitlichen Haupnerven sind, wie bei dem Blatt von Alaska, etwas steiler aufgerichtet als bei den meisten Oeninger-Blättern, doch fehlen auch bei diesen Stücke nicht, bei denen sie dieselbe Richtunir zeio-en. Vgl. Flora tert. Helv. Taf. LV. Fig. 1. LVl. 5. Die Blätter sind am Grunde etwas ausgerandet, sie gehören daher zur P. latior cordata Linül. Flora tert. Helv. p. 12. Taf. LV. Das Blatt Taf. I. Fig. 1. a. hat eine Breite von 85 mm., ist ebenso lang als breit und fast kreisrund. Von den 5 Haupt- nerven ist der mittlere der stärkste und sendet nach beiden Seiten einige sich verzwei- gende Aeste aus, die aussen in Bogen sich verbinden. Die inneren zwei seitlichen Hauptnerven senden ebenfalls starke Seitennerven aus. Der Rand ist gezähnt, doch sind die Zähne an vielen Stellen zerstört. Viel grösser war das Fig. 2 dargestellte Blatt, das wahrscheinlich eine Breite von 16 Cm. gehabt hat. Es hatte 7 Hauptnerven, von denen die untersten schwach ent- wickelt sind. Selir stark sind die beiden oberen neben dem Mittelnerv. Sie senden starke Secundarnerven aus, die weiter sich verzweigen. Der Rand ist nur an wenigen Stellen erhalten; er ist mit nach vorn gerichteten, stumpfen Zähnen besetzt. 3. Poimliis arctica Hu. Taf. I. l-ig. 3. 4. Bei dem kleinen, Taf. I. Fig. S abgebildeten Blatt ist der Rand zum Theil zer- stört, die Nervation stimmt aber ganz zu P. arctica. Es laufen 5 Hauptnerven vom Grund aus, von denen die zwei ersten Seitennerven gegen die Blattspitze gerichtet sind. Besser erhalten ist das Blatt Taf. I. Fig. 4. Es ist oval, ganzrandig, gestielt mit 5 Hauptnerven, von denen drei stärker und spitzläufig. Die seitlichen senden ziemlich starke in Bogen VL'i'buiidciie Terlirirnervt-ii aus. Das Blatt ist kleiner, aber in der Form KONGL. SVENSKA VET. AKAUEMIEN« IIANDLINGAK. BAND. 15. N:<) 4. 5 und Nervation sehr wohl mit dem auf Taf. V. Fig. 11 Bd. I. meiner Flora aretiea aus Grönland abgebildeten Blatt übereinstimmend. 4. Populus glaudulifera Hr.? Taf. II. Fig. 7. a. b. Flora tert. Helvet. IL S. 17. Taf. LVIII. Fig. 5—11. Fl. alaskana S. 26. Taf. II. Fig. 1. 5. Primit. Fl. foss. Sachalin. S. 25. Taf. III. 4. Auf einer Steinplatte liegen mehrere Blattstüeke (Fig. 7. a. b.), welche wahr- scheinlich zu Populus gehören; leider fehlt denselben der Rand, so dass eine sichere Bestimmung nicht möglich ist. Die allgemeine Form und die Nervation stimmt am besten zu Populus glandulifera (cf. Flora tertiaria Helvetia; II. Taf. LVIII. Fig. 10.), welche auch in Mgratsch gefunden wurde. Das Blatt war etwas länger als breit. Vom Grund, der indessen nicht ganz er- halten ist, laufen drei Hauptiierven aus (Fig. 7. a.), von denen der mittlere auf jeder Seite etwa 4 Seitennerven aussendet, welche nahezu gegenständig sind, aussen sich ver- ästeln und in Bogen sich verbinden. Die beiden seitlichen Hauptnerven steigen in Halbrechtem Winkel nach vorn und senden nach auswärts je 4 Secundarnerven aus. Ob der Rand ganz oder gezahnt, ist nicht zu ermitteln. Dasselbe gilt von dem Blatt Fig. 7. b., das ohne Zweifel zur selben Art gehört, während dies für Fig. 7. c. zweifel- haft ist. Es ist nur ein Blattfetzen erhalten, welcher durch die fast horizontalen Se- cundarnerven von den vorigen abweicht. Bei diesem Blattfetzen ist der Rand deutlich gezahnt. Auf der Rückseite derselben Steinplatte ist ein Pappelbhitt mit 5 Hauptnerven, aber zerstörtem Rand. 5. Salix lavateri Hr. Taf. IV. Fig. IL Heer Flora tertiaria Helvetiai IL S. 28. Taf. LXVI. Fig. 1—12. Flora fossilis Alaskana p. 27. Taf. IL Fig. 10. Es ist zwar nur die mittlere Partie eines Blattes erhalten, die aber sehr wohl zu den Alaska- und Oeninger Blättern stimmt, nur ist der Rand etwas feiner gezahnt. Die Seiten sind fast parallel, der Rand ist fein gezahnt; die Secundarnerven sind stark ge- bogen, laufen mit dem Rande nach vorn; in die Felder gehen zarte Zwischennerven. Von einem zweiten Wcidenblatt sind nur ein paar Fetzen erhalten, denen der Rand fehlt (Taf. IV. Fig. 3). Sie gehören vielleicht zu Salix varians GuEPr. 6. Alniis Kefersteinii Goepp. Taf. IL Fig. 1. Heer Flora foss. arct. I. p. 146. 159. IL Alaska p. 28. Om nogle fossile Blade fra Öen Sachalin. Med. naturh. Foren. Kjöbeidi. 1871. p. 1. Taf. VUI. Fig. 1. 2. S.a. Primit. Fl. foss. Sachalin. S. 29. Taf. IV. 4. b.— d. V. 6—8. Ein einzelnes nicht ganz erhaltenes Blatt stimmt mit den Blättern von Dui, Mgratsch und Sertunai überein. Es ist am Grund zugerundet und an den Seiten ziem- lich scharf gezahnt. Die alternirenden Secundarnerven zeigen fast gleiche Abstände und die unteren senden Tertiärnerven aus. 6 O. HEEK, liElTRÄOK ZUR B'OSSILEN FLORA VON SACHALIN. 7. Betiila prisca Ettingsu. Taf. II. Fig. 8. III. Fig. (5. Heer Primit. Flora foss. Sachalin. S. 30. Taf. V. 9. U). VII. 1—4. Die Sammlung enthält zwei Blätter dieser Art. Taf. II. Fig. 8 ist eiförmig-ellip- tiseh, hat jederseits (i, weit auseinander stehende ziemlich steil aufsteigende Secundar- iierven, von denen die unteren gegenständig, die oberen alternircncl sind; sie senden nur schwache Tertiärnerven aus. Von derselben Grösse ist das Taf. III. Fig. G ab- gebildete Blatt, das auch unterhalb der Mitte am l)reitesten und nach vorn allmählig verschmälert ist. Es ist ungleichmässig gezahnt. 8. Betulii Brongiiiarti Ettingsh. Taf. III. Fig. 2. Heer Primit. Flora foss. Sachalin. S. 32. Taf. VI. 4. 5. IV. 4. XV. 5. Stimmt in den gegenständigen, im halbrechten Winkel auslaufenden, ziemlich dicht beisammenstehenden und aussen verästelten, in die Zähne auslaufenden Secuudar- nerven mit der Bet. Brongniarti Ett. überein, weicht aber in der Verschraälerung des Blattgrundes ab, und hatte das Blatt deshalb anfangs iri'thümlich zu Corylus insignis ge- rechnet; der Blattgrund scheint, zum Theil wenigstens, zusammengedrückt zu sein. Viel besser erhalten sind die Blätter der B. Brongniarti, welche die Herren Akad. Schmidt und Glehn in Dui und iMgratsch gesammelt haben. 9. Corylus Mac Quarrii Forb. spec. Heer Primit. Flora foss. Sachalin. Taf. VII. 8. 9. a. Es enthält die Sammlung zwar nur ein paar Blattfetzen dieser Art, die aber in der Nervation und in der doppelten scharfen Bezahnung zu dem weit verbreiteten Haselblatt stimmen. 10. Carpiuus graudis Ung. Taf. II. Fig. 6. IV. I. Unger Iconogr. plant, foss. S. 39. Heer Primit. Flora; foss. Sachalin. Taf- IV. 4. a. V. 11—13. VHI. IX. 1—4. Die Sammlung enthält zwei Blätter dieser Art, welche von Herrn Schmidt in Dui in grosser Zahl und viel besser erhalten gefunden wurde. Bei Taf. II. J^ig. 6 ist nur ein Theil des Blattes erhalten. Das Blatt muss lang und schmal gewesen sein und hat zahlreiclie (auf der rechten Seite sind 12 zu zählen) Secundarnerven, die etwas gebogen und etwas steiler aufsteigen als bei der Mehrzahl der Blätter der C. grandis, ich glaubte daher anfangs, dass das Blatt verschieden und eine Form der Ulmus longifolia Ung. darstellen dürfte; die Art des Auslaufes der Sekundarnerven in die Zähne ist aber nicht nach Ulmen-Art, sondern wie bei Carpinus und ebenso die Zahnbildung. Es scheint das Blatt etwas nach links verschoben zu sein, wodurch wahrscheinlich die Krümmung der Secundarnerven veranlasst wurde. Besser erhalten ist das Taf. IV. Fig-. 1 abgebildete Blatt. Es ist lanzettlich und vorn in eine lange Spitze ausgezogen ; der Rand ist doppelt gazahnt. Die Zähne sind scharf, die Langseite hat zwei kleinere Zähnchen. Die Kurzseite ist ungezahnt. Se- cundarncii'ven sind auf der rechten Seite 12 zu zählen, sie entspringen in spitzem Win- KONGL. SV. VKT. AKADICMIENS IIANDLINGAR. BAND. 15. N:() 4. 7 kel, sind parallel und einfach, in den grossen Zahn auslaufend. Das Blatt ist in der Mitte am breitesten und gegen den Grund verschmälert. In der Form jihnelt das Blatt mehr dem Carpinus pyramidalis Goepp. spec., in- dem es am Grund verschmälert und vorn auch mit einer langen Spitze versehen ist, in der Zahl der Secundarnerven dagegen stimmt es zu G. grandis, indem bei der C. pyramidalis jederseits 17 — 24 solcher Nerven auftreten, während bei C. grandis in der Reo-el nur 12, es stellt daher eine Mittelform dar. 11. Fagus Aiitipofl Hr. Taf. II. Fig. 7. d. III. 1—3. Abich Beiträge zur Paläont. des asiat. ßussland. Mem. de l'Acad. des Sciences de St. Petersbourg VII. T. VI. Ser. p. 572. Taf. VIII. 2. Heer Flora Alaskana p. 30. Taf. V. 4. a. VII. 4-8. VIII. 1. Primit. Flora3 foss. Sachalin. Taf. VI. 8. VII. .5. Es ist dies das häufigste Blatt der Sammlung und macht es wahrscheinlich, dass an dieser Stelle ein Buchenwald gestanden hat. Es stimmen die Blätter von Sachalin sehr wohl mit denen von Alaska iiberein und zwar mit den ganzrandigen Formen, Avelche ich in der Flora von Alaska auf Taf. VII. Fig. 4. 6. 7. abgebildet habe. Die Art steht der amerikanischen Buche (F. ferruginea AiT.) viel näher als der europäischen Buche und ist nur durch den ganzen oder doch nur schwach gezahnten Rand zu unterscheiden. Bei Taf. III. Fig. 1 liegen mehrere Blätter auf derselben Steinplatte. Sie sind ganzrandig und haben straffe, pa- rallel nach dem Rande laufende Secundarnerven. Grösser sind die Taf. III. Fig. 2. u. 3 abgebildeten Blätter. Fig. 2 hat eine Länge von 14 Gm. und eine Breite von 6 Gin., ist von der Mitte aus gegen beide Enden ziemlich gleichinässig verschmälert. Von dem ^littelnerv gehen jederseits je 15 Sekundarnerven in halbrechten Winkeln aus. Sie laufen in gerader Richtunor und ohne sich zu verästeln bis zum Rande. Die meisten Secundarnerven sind gegenständig. Aehnlich verhält sich Fig. 3 nur ist der Rand et- was wellig gebogen. 12. Castaiiea Tna;eri Hr. Taf. II. Fig. 3. Heer Contribut. to the foss. Flora of Northgreenland. Fl. arct. II. S. 32. Taf. XLV. Fi.,r.,,s Dryn.eia? S.Crataegus Fi.rulxjelmi. 6. (elastru-s bnreali.s. 7-,').Jiii.-l:in.s aciiminata, 10..) ni^-elhi. K. Vetensk. Aead. Himdl. Bd. I3.N? 4. O.Heer. Mioeene Pl'Uuizen v. vSaehaliii.Ta(!ll. Kis,^. l.Mnus KHiTsleiiiu.2.Bptula HrongniM-li. 3. Cashmea \'iw^i'v\. k. ö. rinu.s pluiMiicma, 6. Ciu-piinis srandi.s. 7.a.l) ropiilu.s o-l;uidulil('ra ? 7. d. Fa^us Antipüli ö. Betula pn.sca. fv.yrtensk.Arii(lllaiull.Bd.l5..\?4. O.llcrr. Miooi-iir Pfliuizcn v. Sacluiliii.Tai: 1 Wurster Karderrer & C° Wint^rt>niJ Fig; J.-3, Fag-us .Viiüpof], 4. '>. l'lnnis pluniieiTia. b'. Bftula pnsca. New York Bolanical Garden Library QE929 .H4 gen Heer, Oswald/Beitrage zur Miocenen Flora 3 5185 00096 4971